Seit sechs Wochen bin ich in Indien und Sri Lanka. Und jetzt, endlich, zwei Tage vor meinem Rückflug, gefällt mir Indien wieder. Mysuru ist eine überschaubare Millionenstadt im indischen Bundesstaat Karnataka, von der ich nie zuvor gehört habe. Jahrhundertealter, mächtiger Fürstenstaat, Stadt der Paläste. In ihr findet wie überall sonst in Indien gerade der gnadenlose Umbau zu einer Stadt von heute statt. Aber irgendwie freundlicher.
Etwa 20 Kilometer laufe ich durch alle möglichen Strassen und sauge einfach alles auf. Bis auf den einen Palast (ehemalige Residenz des Maharadschas, nach dem Taj Mahal offenbar DAS Ding in Indien, und damals engagieren sogar Inder britische Architekten!), zu dem ich mich dann doch hinreissen lasse, umschiffe ich alle TripAdvisor Top10 Listen erfolgreich und lasse alles links liegen, was auch nur im entferntesten nach touristischem Angebot aussieht, zumal zu Fuss, und es lohnt sich sehr. Nie komme ich mit mehr Menschen ins Gespräch, als heute, trotz immer noch rauher Stimme und wegen des Fiebers etwas fahrigen Bewegungen. Einmal steige ich nach 30 Sekunden aus einem Tuk Tuk wieder aus mit der Erklärung, dass ich das alles ablaufen muss, weil ich es sonst nicht aufnehmen kann. so sehe ich neben farbenfroher älterer Bausubstanz auch zahlreiche ‚moderne‘ Baustellen (die SUVA hätte ihre wahre Freude); riesige Komplexe, Einkaufszentren, Kongresshäuser, Bürogebäude, die wortwörtlich aus dem Nichts entstehen mit Bambusgerüsten und Handseilzügen, Backsteinwerfern und Betonträgern, und denen die organische Häuserlandschaft, die vorher da war, wohl ungefragt weichen muss. Trotzdem ist es eine freundliche Stadt, wie gesagt, überschaubar, weniger chaotisch als anderswo in Indien, fast schon menschlich geht es zu und her.
Festgehalten habe ich vor allem, was kurz vor dem Zerfall steht und in fünf Jahren wohl nicht mehr existiert.
Als ich übrigens nach vielem Vor und Zurück endlich vor dem eindrücklichen Fürstenpalast stehe und eine der uniformierten Wachen frage, wo denn hier der Haupteingang zum Gelände sei und wo man ein Ticket kaufen kann, fragt der Mann zurück, ob ich wirklich das Verwaltungsgebäude (zu sehen auf dem Bild nach dem blauen Bus) zu besuchen wünsche? Der nämliche Palast finde sich auf dem Gelände gegenüber, bitte hier entlang. Wahrscheinlich passiert die Verwechslung nicht zum ersten Mal. Ich bedanke mich und beglückwünsche ihn zum wohl schönsten Verwaltungsgebäude, das zumindest ich jemals gesehen habe und mache mich auf in die gegebene Richtung.
Übrigens: So eindrücklich dieser Palast des ehemaligen Maharadschas auch ist – es fühlt sich alles irgendwie leblos an, erstarrt bis zur Ausdruckslosigkeit, wie fast alles, das mir je begegnet ist und das einfach schon zu oft von zu vielen Menschen bestaunt worden ist.
(Viele Fotos haben Breitformat – Einzelansicht lohnt sich.)





































