Mein Kopf sagt mir eins übers andere Mal, dass dies keine Reise ist (also schon, aber anders), sondern nun mein Leben – es gibt keinen Ort, an den ich zurückkehre (ausser, nach heutigem Stand, zu dem Keller voller Dinge, die mir gehören). Begreifen kann ich es nicht und muss ich es auch nicht, es ergibt sich; einfach leben, was kommt, trotzdem will ich eine Ahnung, eine Grössenordnung entwickeln, WAS da kommt oder ist.
‚Prolog‘
Nach kurzer Zeit angeschwemmt in Griechenland. Endlich kein Regen mehr, stattdessen milde 25 Grad, liebliches Meer, weiche kleine Wellen, die umarmende Sanftheit Griechenlands (trotz karg-schroffer Felsen und blutig-heroischer Geschichte). Es fühlt sich ein bisschen an wie nach Hause kommen. Und in den nächsten Tagen werde ich hier endlich aufatmen und beginnen, mich zu entfalten.
…
(Noch an Bord der Fähre)
Mir bewusst sein. Dann wieder sage ich mir, es reicht vollkommen, wenn du dir einfach im Moment dem Moment bewusst bist. Oder wie eine Freundin es formulierte: Man muss (und kann) sich nicht gleich bei der Geburt des Kindes vollkommen klar sein, dass man ab jetzt keine Minute mehr allein sein wird.
Der Van fühlt sich gut an, es scheint, ich habe alles dabei, was es braucht, 3,4 Tonnen ist das Vehikel schwer, mir mir und allen Tanks gefüllt, allein schon 80 kg Werkzeug sind mit an Bord, indes kein Reserverad – zu gross. Einen Wagenheber muss ich noch kaufen.
(Es wird immer kälter.)
Will (und kann) ich in einem Kastenwagen LEBEN? Ich meine für lange Zeit? Macht das Sinn? Worüber ich mir fast im Klaren bin: Für mich allein ist darin genügend Raum, man kann sich gut organisieren, für zwei, mit Auslegebedarf, wird es knapp, vor allem, wenn eine Person noch arbeiten soll, vor allem, wenn es stimmungstechnisch oft knirscht im Getriebe.
Gib dir Zeit –
Nicht alles muss heute klar und gelöst sein.
Lass passieren.
Lass dir Raum.
Sowieso bin ich jetzt nach einer knappen Woche immer noch in einem ‘Flucht’modus. Schnell raus, schnell weg vom Regen, schnell in ‘neue’ Gegenden (wärmer, exotischer, etc.), schnell dahin, wo man überwintern kann in einem Auto (das hiesse eigentlich Tunesien, aber Blogs nennen November und Dezember noch als Griechenland-taugliche Monate, erst im Januar wirds so kalt, dass ein Rutsch Richtung Süden angezeigt ist. Türkei? Iran? Ich werde es herausfinden. Gebirge wohl eher nicht.)
Ich will mir angewöhnen, langsamer zu werden, weniger weit zu fahren, langsamer, mehr zu sehen, auch zu bleiben, auch ausserhalb meiner ‘4 Wände’.
23:20 – wir sind immer noch weit weg vom Hafen, vermutlich Gegenwind, Verspätung, es wird später und später, ich schreibe gegen die Kälte.
(Hier fehlt offenbar ein Stück Tagebuch.)
…
(Mein Leben…)
Unter dem Strich ist es schwer und beladen mit Komplexen, die es zu meistern gilt. Es ist nicht einfach leicht und schön, wie viele daheim es sich wohl denken, sondern eine Arbeit an mir, mit mir; auch wenn ich frei bin und tun kann, was ich will, muss ich mir meinen Weg erkämpfen.
Ich hoffe (und vertraue) darauf, das mir auf ihm immer wieder positive Erlebnisse widerfahren, wie gestern und heute, die mir die Zuversicht schenken, die nötig ist, um den nächsten Schritt zu machen, das Vertrauen, dass ich hier das Rechte tue. Ich hoffe auf Mut, Begegnungen und Offenheit meinerseits.
…
Nur schon darüber schreiben, beschreiben zu wollen oder müssen, wie es sich anfühlt, was ich erlebe, ist eine Art der Reflektion ausserhalb des nackten, reinen Erlebens. Es ist erschreckend. Ich behaupte, dass die allermeisten unserer Zeit, die ihre Zeit mit Erlebnissen ausfüllen, diese Erlebnisse als gelebtes, echtes Leben empfinden, aber in Tat und Wahrheit daran vorbei rauschen, nichts wirklich erkennen, was sie umgibt, am wenigsten sich selber.
Ich will es lernen.
Meditation.
Aufmerksamkeit.
Bedacht sein.
Und eben: Sein.
Auf jeden Fall ist diese zweite Woche – nach der ersten, fluchtartigen Ausreiss-Fahrt durchs verregnete Italien und den Schlauch meines Zurücklassens all dessen, was mich gerade noch jahrelang umschlungen hatte – beschaulicher. Es ist schön, es ist warm, es regnet nicht, jeden Morgen verkündet ein milde Dämmerung den neuen Tag, jeden Abend beschliesst die Sonne mit ihrem Versinken im Meer einen weiteren vergangenen Tag, es hat Raum und Luft und Ruhe und mengenweise Orte, die zum Sein einladen.
Raum.
Luft.
Ruhe.
Orte.
Sein.
Das Entfalten, das ich ind er ersten Woche noch – technischer – entklemmen nannte, geht weiter. Etwas Ruhe kehrt ein. Vieles öffnet sich, von selbst, sanft, manchmal fast unmerklich, gehen Räume auf wie Knospen, die Licht erhalten, nicht zuviel, aber genug, um geweckt zu werden.
Ein Leben im Van – Ja oder Nein? Es ist gerade nicht so wichtig, das zu beantworten.
…
Diese ersten paar Tage an diesem Strand haben mich frisch geeicht, besser, geöffnet: ich sehe einen Weg, dem ich folgen kann, oder dem ich bereit bin zu folgen.
Ich bin für diese milden Tage enorm dankbar.

















