Normandie, ohne Gefallene.


Zwischen Omaha Beach und Utah Beach – hier herrscht Frieden. Keine Bunker, Panzer, Flaggen, symbolischen Gedenkfelder, Besucherheerscharen und D-Day-Doublecheeseburger. Etwas Wind und etliche Meter Tidenhub und am Morgen ein Traktor, der pannenhalber auf dem Ausweg weg vom Feld liegen bleibt. Helfen kann ich leider auch nicht, aber einen Tee anbieten.

Das Einzige, was ich an Gefallenem sehe – weil ich einfach nicht so ein Kanonenrohrfanatiker bin –, ist der Meeresspiegel. Da die Anlandezone sehr flach ist, zieht sich das Wasser trotz verhältnismässig geringem Gezeitenunterschied (bei Mont Saint Michel sieht die Sache ganz anders aus!) bei Ebbe weit zurück, was einiges an halbtags unterseeisch Lebendem oder ehemals Lebendigem zu Tage fördert.

Je weiter man hinauswandert in diese wässerige Sandebene, desto mehr wird diese wie ein Wasserbett: tragfähig, aber wenn man drauf herum hüpft, wie ein Swimmingpool, über den eine Plastikhaut gespannt ist, weil sich der Sand verflüssigt (wie genau, bliebe nachzulesen), und mit dem Auf und Ab des Hüpfens breiten sich nasse Sandwellen in die Umgebung aus, was komisch aussieht. Indes keine Gefahr, abzusinken (soweit meine Versuche reichen).

Ich frage mich dann doch, ob die Alliierten diese Region für ihre Landung gewählt haben, dass, wenn beim hektischen Boot-Land-Transfer irgendwelches Material absäuft, sie es bei Ebbe problemlos doch noch einbringen können, weil es so flach ist, rein theoretisch, meine ich. Nach einer Viertelsekunde verwerfe ich den Gedanken: Wohl eher nicht!

Ich bleibe die Nacht über da hinter der kleinen Düne, kein Mensch weit und breit, dafür am nächsten Morgen ein grosser Traktor, statt auf seinem Maisfeld steht er gross und breit mitten auf dem Landweg, Lichter in die Dämmerung; es fehle ein Teil, Ersatz sei unterwegs. Drumherum fahren kann ich nicht, da in Frankreich links und rechts von Strassen oder Wegen meist recht tiefe Gräben sind (Wasserableitung). Also koche ich einen Tee, und da es früh und kühl ist, nimmt auch der Landwirt dankbar eine Tasse. Man unterhält sich über Landwirtschaft in der Normandie, etc.

Eine Stunde später ist der Weg frei.

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